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Pooly & Co.

    Der Architekt

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    Pooly
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    Der Architekt

    Beitrag von Pooly am Fr März 08, 2013 12:28 am


    ❖ ÜBER DAS KONSTRUKT DER SEELE
    UND SEINEN ARCHITEKTEN
    »Doch der Uhrmacher beherrscht die Zeit nicht. Sie rafft ihn genau so dahin wie jeden anderen Mann.«



    Es gibt das Zentrum am Grunde einer jeden Seele, das nach etwas ruft. Nach etwas, das Bücher dich nicht lehren und Menschen dir nicht schenken können. Etwas, das weder durch Natur, noch durch Willen oder Macht beeinflusst wird. Etwas, das jeder möchte, das jeder braucht und das doch niemand besitzt. Nur die Uhr kontrolliert es und gleichzeitig kontrolliert es die Uhr. Und besitzt du die Uhr, dann gehört dir das Universum.

    EINFÜHRUNG
    Hallo lieber Leser. Willkommen in meinem kleinen Thread zum Roman, dem Architekten. Es freut mich sehr, dass du hierher gefunden habt und ich hoffe, dass du vielleicht auch Interesse an der Geschichte aufbringen kannst, die ich dir erzählen möchte. Sie ist ein kleines Märchen aus einer anderen Welt, ein Einblick in Gedanken und Alltag, der vielleicht auf den ersten Blick voller Absonderlichkeiten sein mag. Die Geschichte des Architekten ist eine sehr lange, komplexe, aber Zeit spielt beim Erzählen keine Rolle, wenn du nur aufmerksam genug lauscht. Du kannst meine Hand greifen und dich von mir führen lassen, oder du entscheidest dich, allein durch Wälder, Städte und Felder zu ziehen, um dort nach den versprochenen Wundern zu suchen. Du wirst den roten Herren, den Alchemisten und all die anderen Menschen und Geschöpfe kennenlernen, die sich in dieser fernen Welt bewegen. Begleiten kannst du sie nur auf einem Teil ihres Weges, aber vielleicht reicht er aus, um erkennen zu können, wovon diese kleine Geschichte handelt. Vielleicht handelt sie von dir.

    »Kennst du dieses Gefühl, wenn du denkst, alles Licht der Welt wäre zu schwer, um es zu tragen? Wohin sind deine Augen verschwunden? Ich sehe dich gar nicht mehr.«
    INHALT
    Es herrscht Aufbruchstimmung in der Welt der fünf Monde. In einer Zeit, in der das Leben in die Städte drängt, verlässt auch Jila ihr vertrautes Heim in den südlichen Landen, um in der Hauptstadt Geld zu verdienen. Sie will den roten Herren aufzusuchen, den Meister aller Uhrmacher, den Gott der äußeren Welt, der sich selbst die eine Uhr gebaut hat, die ihm nun Unsterblichkeit verschafft. Von keinem Geringerem als ihm will sie das uralte Handwerk erlernen. Doch dann ändert sich etwas im Gefüge ihrer Welt und alle Uhren laufen plötzlich rückwärts.
    SETTING
    Wir befinden uns in einer anderen Welt, in der nicht nur die Maschinen, sondern auch der Planeten und das Universum durch Zahnräder und Uhrwerke angetrieben werden. In den Ländern der roten Welt ist die Schneise zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren immer breiter geworden. Das Leben konzentriert sich in den schillernden Hauptstädten, Wirtschaft und Technologie blühen in diesen goldenen Zeiten auf, während für die Bauern in den südlichen Landen die Ernte immer dürftiger ausfällt.

    LINKS
    Hintergründe & Informationen
    Playlist - Musikalische Untermalung
    Tumblr - Inspiration durch Bilder
    GENRE
    Clockpunk
    (Was ist Clockpunk?) ❖ Fantasy

    »Und anfangs dachte ich noch, ein Lächeln wäre genug, um alles wieder zu richten. Früher war es immer genug gewesen. Aber er sieht es nicht, weder morgens noch abends. Als wäre er bereits blind für die Dinge, die die Lebenden noch tun.«


    ❖ DAS VERZEICHNIS
    Sekunde 0. (bereit)

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    Re: Der Architekt

    Beitrag von Pooly am Fr März 08, 2013 1:41 pm


    ❖ SEKUNDE 0
    .nerraN muz hcim tläh tsurB reniem ni gniD ettupak saD



    EINFÜHRUNG
    Hallo alle zusammen, ich freue mich, dass ihr wieder reinschaut, denn heute gibt es einen neuen Part. Oder um genauer zu sein den ersten Part - den Prolog, Sekunde 0. Er ist nur sehr kurz und ich hoffe, dass er euch gefällt. Natürlich bin ich froh über jede Art der Anmerkung, sowohl positiv als auch negativ, also scheut euch nicht, ehrlich zu sein.

    » ❖ «
    Es ist die erste Nacht seit langem, in der ich mich wieder nach draußen wage, und meine Augen sind so vernebelt von dem brennenden Rauch, der zwischen den Gemäuern wabert, dass ich das Lichtspiel der Sterne nur durch einen drückenden Tränenschleier erkennen kann. Buntes Flackern tanzt vor dem Nachthimmel, die Tür der Veranda schließt sich sacht hinter mir, als ich an das Geländer trete, die schweren Gewänder hinter mir herschleifend und das Gesicht gen Himmel reckend meine Arme in den kühlenden Wind hinaushalte.
    Luftschiffe kreisen weit über mir. Nichts als schwarze Löcher vor den Wirrungen der Gestirne. Wie gern ich sie früher beobachtet und mir gewünscht habe, einmal mit ihnen fliegen zu können. Doch dieser Traum wurde erfüllt und der Zauber der Illusion ist mit ihm zusammen dort verloren gegangen, wo sich die fünf Monde treffen. Zurück bleibt nur der Wunsch, selbst einmal fliegen zu können, fort aus dieser Zeit, fort aus dieser Welt, aus dieser Geschichte. Hatte es mich früher nie gekümmert, wohin ihre geschickten Finger mich schoben, bin ich ihrer inzwischen überdrüssig geworden und sehne mich nach nichts mehr als Frieden, als Losgelöstsein von diesen irdischen Sorgen.
    Eine kühle Brise zieht über die Dächer der Stadt und trägt das unaufhörliche Ticken des Grabens zu mir herauf, in dem sich vor Jahren die Zeit offenbart hat. Schwere, erdige Düfte, freigesetzt von goldenen Zahnrädern, die sich in das Erdreich graben, schweben seitdem durch die Luft. Das regelmäßige Klicken des Uhrwerkes erinnert mich an die eisblauen Augen des roten Gottes, an diesen eigenartig süßen Geschmack auf meiner Zunge, als hätte sich Flieder mit Milch vermischt. Ein Kuss der Ewigkeit, gefangen auf meinen Lippen, in meinem endlichen Geist. Mit ihm habe ich das Leben verleugnet.
    Nun befinde ich mich im Haus des mächtigsten Menschen der mittleren Welt und zweifle an mir selbst. Das kaputte Ding in meiner Brust hält mich zum Narren, impft mir Wünsche in den Kopf, die nie von mir selbst hätten stammen können, und als ich die Weite der Stadt sehe und hinter ihr die im Mondlicht liegenden Wiesen der armen Länder, möchte ich fliehen, weglaufen von diesem Ort, an den ich vor wenigen Umdrehungen noch so verzweifelt zu gelangen versucht hatte.
    Mein Blick reicht so weit, dass ich meine, den Weg zu sehen, auf dem ich gekommen bin, der Weg, der mich so sehr verändert hat. Ich bin noch nicht ganz angekommen, aber die nächsten Schritte verbaut mir das Schicksal.
    Ein Klicken hinter mir verrät die Ankunft des roten Herren, der sich ebenso geräuschlos durch die Welt, wie durch meine Gedanken bewegt. Manchmal kündigt ihn nur das schnelle Ticken der Taschenuhr an, die mit der Zeit zusammen so schwer an der Kette um seinen Hals hängt, und ab und an denke ich, dass er sich schon vor langem aus dieser Welt gestohlen haben muss. In Wirklichkeit singt er doch schon mit dem Gott des dritten Mondes alte Lieder, in Wirklichkeit tanzt er doch schon mit der Uhr der Blumen den Totentanz der Unendlichkeit.
    Und er ist kein Gott. Er kann meine Gedanken nicht lesen, mit seinen leeren, blauen Augen nicht in meine Seele blicken, selbst wenn er ihr Architekt sein sollte.
    »Ein gutes Gefühl, den Verrat das erste Mal zu kosten, oder?«, murmelt er und legt seine mondblasse Hand auf meine Schulter, streicht fast beiläufig über die dunkle Haut, die er kaum berührt. Ich sehe das typische Lächeln auf seinen femininen Zügen fast vor mir, so unschuldig knabenhaft wie bei unserer ersten Begegnung. Der blumige Duft in seinem langen Haar schmiegt sich an meine Sinne, während ich mich unauffällig versuche, von ihm fortzubewegen.
    »Unsinn«, entgegne ich und zwinge meinen Mund zu einer weiteren Lüge. Die saubere Aussprache meiner Stimme ist mir fremd, aber der Stolz, der mit ihr einher kommt, schmeckt unerwartet süß auf meiner Zunge. »Verrat. Er ist mir inzwischen schon so bekannt wie das Pochen meines Herzens in der Brust.«


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    Re: Der Architekt

    Beitrag von Pooly am So März 31, 2013 8:25 pm


    EINFÜHRUNG
    Guten Abend, liebe Leser. Ich freue mich, dass es heute endlich weiter gehen kann, und nachdem ich nun lange hin und her überlegt habe, inwiefern der Text überarbeitet werden muss und so weiter, habe ich nun endlich eine Lösung für mich gefunden und hoffe, dass sie euch gefallen wird. Menschen, die schon Texte von mir kennen, seien vorgewarnt, denn allein schon stilistisch ist der Architekt vollkommen anders als andere aktuelle Werke. Vor allem die "Minuten"-Kapitel erheben dabei keinen Anspruch darauf, perfekt zu sein, denn sie sind aus dem Leben gegriffene Ausschnitte einer alten Seele. Über Kommentare, Kritik und Anmerkungen freue ich mich trotzdem jederzeit.
    Gesagt sei noch, dass ihr euch nicht von der Zeitrechnung verwirren lassen solltet, die kurz angeschnitten wird. Für Interessierte ein kurzer Exkurs: Eine Minute in der Welt der fünf Monde hat 110 Sekunden. Da die Sekunden jedoch schneller sind (die Uhren ticken rascher als bei uns), entsprechen diese 110 Sekunden etwa 80 Sekunden in unserer Zeit. Eine Stunde hat wiederum 110 Minuten. Ein Tag hat 20 Stunden, ein Jahr 798 Tage. Eine "Umdrehung" ist die Bezeichnung für eine bestimmte Konstellation, in der dir 5 Monate exakt alle 260 Tage stehen. Die im Text erwähnten 41 Jahre wären in unserer Zeitrechnung etwa 50 Jahre.

    ❖ VORWORT
    » ❖ «
    Bekanntlich glauben wir nur das, was wir glauben wollen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass unsere Annahmen der Wahrheit entsprechen. Erhebt man diese zwei Feststellungen zum Grundsatz einer Überlegung, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass Wahrheit personenbezogen sein muss und und es folglich für jeden Menschen eine Wahrheit gibt, die nur ihm gehört und die nur von ihm und niemand anderem erfasst werden kann. Eine Wahrheit kann ein Sinn sein, eine Sinnsuche oder ein Ziel. Sie kann der tiefste Gedanke sein und das ursprünglichste Bestreben. Manchmal entgleitet sie uns beim Versuch, sie festzuhalten und manchmal liegt sie klar und deutlich in unseren Händen, als hätte es nie etwas anderes gegeben, das von Bedeutung war. In diesem Sinne kann dieser Text also den Anspruch erheben, sich als Wahrheit bezeichnen zu dürfen, und gleichzeitig nicht. Er mag nicht die Wahrheit des Lesers sein und nicht die Wahrheit des Schöpfers. Trotzdem kann er allein durch die Vorstellung von Realität zum Leben erwachen. Wie damit umgegangen wird, entscheidet dabei jeder für sich selbst. Der eine mag Sinn und Glauben darin finden, dem anderen wird es schwer fallen. Der Text am Ende wird immer so viel Wert haben, wie der Leser in ihm sieht.
    Wenn wir nur lange genug suchen, dann finden wir Erkenntnis in jedem Winkel. Dieser Gedanke ist es, der den Text kennzeichnet. Wir beschäftigen uns also mit Dreigeteiltheit. Dem, was war, dem, was ist, und dem, was sein wird. Tiefer gehend betrachtet liegt auch in dieser Betrachtung eine zweite Wahrheit, denn wo wir drei Teile sehen, sollten eigentlich fünf stehen. An erster Stelle stehen die Dinge, die waren und vergessen wurden. Gedanken, persönliche Schicksale, Vorgänge, die nie jemand beobachtet oder besprochen hat. Sie sind der große, dunkle Bereich in der Geschichte, der von Minute zu Minute mehr Raum einnimmt. An zweiter Stelle sehen wir die Vergangenheit, derer wir uns als Menschen und als Menschheit bewusst sind. An dritter Stelle und in der Mitte steht das Jetzt, das nie länger dauert als ein Augenblinzeln, denn Zeit zerrt alle Momente in den Schlund des Vergessens. Nur einen Atemzug vom Jetzt entfernt steht die Zukunft, die sich in zwei Teile spaltet. Einerseits die tatsächlich eintretende Zukunft - der winzige Moment, bevor das das Kommende durch das Sein gleitet und im Damals verwindet. Andererseits all die Zukünfte, die mit jeder getroffenen Entscheidung verfallen und nie Wirklichkeit werden können.
    Das Konstrukt ist die Dreiteilung fünfteiliger Dinge. Wer es sucht, wird es überall finden. Fünf Personen, von denen nur drei aus ihrem Leben erzählen. Fünf Monde, die nur drei Götter besitzen und in drei Zyklen durch das Jahr gleiten. Fünf Länder, von denen drei im Machtbereich des roten Gottes liegen. Fünf Etappen, die der Roman durchläuft und drei verschiedene Arten, in denen er währenddessen erzählt wird.
    1. Die Sekunde. Sie ist das Vergangene, das in Erinnerungen erlebt wird; wie ein Moment, der direkt während des Geschehens auf Papier gebannt wurde. In großer Anzahl breiten sich die Sekunden über große Flächen aus, genau wie die Vergangenheit, die mit jeder Sekunde mehr Raum einnimmt.
    2. Die Minute. Sie zeigt das Jetzt. Das, was ist. Sie erzählt gemeinsam mit den Menschen eine Geschichte und besteht aus einer Wirrnis aus Gedanken und Erinnerungen. Minuten gibt es nur wenige, genau wie das Jetzt nur wenig Platz im fünfteiligen Gefüge der Zeit einnimmt und uns doch unser ganzes Leben über begleitet.
    3. Das Konstrukt. Ein Mischwesen aus allen Zeiten. Es sieht, was vergessen wurde, was war, was ist, was sein wird und was hätte sein können. Es gibt nur ein einziges Konstrukt und es ist der Schlüssel zur im Text verborgenen Wahrheit. Wer es sucht, wird es überall finden.




    ❖ MINUTE 1
    .negeR red sla rehcilssälreV
    » ❖ «
    Seit jeher bin ich in meinem Heimatdorf dafür bekannt, dass ich Geschichten erzählen kann. Nicht, dass mein Dorf so groß wäre, dass dort nicht sowieso jeder jeder kennen würde; vermutlich hat sich mein Name allein schon wegen meiner Eltern und meiner unzähligen Geschwister herumgesprochen. Und wegen dieses Abgabeneintreibers, der seinen Mund schon immer ein wenig zu voll genommen hat. Aber erzählen war schon immer meine Welt, denn schreiben und lesen konnte ich früher noch nicht, ebenso wenig wie singen (wie mir auch immer wieder gesagt wurde) und alle anderen Dinge, die einen Menschen außergewöhnlich machen können. Natürlich ging ich auch immer mit großem Eifer der Arbeit auf den Feldern nach, aber zeigt mir einen hier, bei dem das nicht so ist.
    Nein, nein, das Einzige, das an mir besonders ist, ist die Kunst, sich Legenden einzuprägen und sie später in einer Form wiederzugeben, die den Zuhörer mitreißt. Natürlich. Langweilig kann das ja jeder. Und so war ich neben Mea, der damaligen Lehrerin meiner Brüder, schon immer die Einzige, zu der man in diesen Landen gekommen ist, wenn man Legenden und Mythen hören wollte, denn ich kenne sie alle. Die liebliche Fabel von Anmê, der Uhr der Blumen. Oder die kühle Geschichte, die von Que, dem Windgott der nördlichsten Lande, erzählt. Ich kenne die Geschichte von Lam, der hinter dem dritten Mond wohnt, und von Endra, der Schwester des Gewölbes. Man kommt zu mir, wenn man von anderen Kulturen und Städten hören möchte – von den Barbaren im Westen, den Wüstenmenschen im Osten und den Waldvölkern im Süden. Ich erzähle von der Entstehung der Welt, der Entstehung der Zeit und der Entstehung der großen Räder, die uns antreiben.
    Am liebsten aber hört man inzwischen wohl die Geschichte aus dem Norden und der großen Hauptstadt der mittleren Welt. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie von Göttern, Königen, Magie und unglaublicher Macht handelt – und trotz dessen vollkommen wahr ist.
    Woher ich das weiß, fragt ihr? Das ist leicht zu beantworten: Ich habe sie selbst erlebt. Und mag euch einiges noch so seltsam und unglaubwürdig vorkommen, ich kann euch versprechen, genau so hat es sich zugetragen.
    Da es eine lange Geschichte ist, hoffe ich, dass ihr einiges an Zeit mitgebracht habt, denn kürzen werde ich sie ganz sicher nicht. Und jetzt schweigt, denn ich muss darüber nachdenken, wie alles begonnen hat. An die Anfänge kann ich mich nämlich schon kaum mehr erinnern, so weit liegen sie zurück.
    Ich denke, ich beginne an dem Tag, an dem ich aus der Nachbarstadt zurückgekommen bin. Die Sonne schien schon seit Wochen und ich war wieder einmal diejenige, von der erwartet wurde, irgendetwas retten zu können, was nicht mehr so richtig zu retten ist. Aber ihr kennt mich ja und wisst, dass ich mir noch nie für etwas zu schade war.
    Aber ich weiche ab. Wir sind also an diesem Tag vor genau 40,9 Jahren. Oder 125,8 Umdrehungen, wenn ihr so wollt. Meinetwegen auch 32.718 Tage oder 654.360 Stunden oder 71.979.600 Minuten oder 7.917.756.000 Sekunden. Sucht euch etwas davon aus.

    » ❖ «
    Ich denke oft, dass Gestirne und Geister das Einzige sind, auf das man sich verlassen kann. Man sieht sie nicht immer, aber trotzdem ist da diese unumwerfliche Gewissheit, dass sie da sind und wiederkommen werden, wenn man nur lange genug darauf wartet. Die Sterne, die immer wieder dieselben Muster am Nachthimmel zeichnen, die Monde, die ihre Bahnen ziehen und immer wieder in gleichen Konstellationen auftauchen, und vor allem die Sonne. Ja, ich würde sagen, die Sonne ist der verlässlichste Himmelskörper in unseren Breiten. Verlässlicher als der Regen. Und das war schon immer ein ziemliches Problem.
    Wenn ich das Wetter nicht besser kennen würde, hätte ich damals mehr Hoffnung gehabt. Wo andere verzweifelt ihre Köpfe reckten, um zu schauen, ob am Horizont nicht doch eine dunkle Wolkenfront darauf lauerte, sich in unsere Richtung zu schieben, konnte ich nur seufzen, weil die Monde und die Zyklen schon vor Wochen verkündetet hatten, dass in diesem Jahr alles Warten vergebens wäre. Man kann sicherlich nicht abstreiten, dass es andere Orte gibt, deren Menschen noch ärmer dran sind als wir – jemanden, dem es noch schlechter geht als einem selbst, findet man ja bekanntlich immer. Aber durch unser ›Dasein‹ als Bauerndorf sind wir nun einmal auf den Regen angewiesen, der über Erfolg und Misserfolg der Ernte bestimmt, dementsprechend kümmerten die Probleme anderer Orte damals eigentlich niemanden.
    Vor allem mich nicht, denn ich war wie gesagt dazu verdammt worden, in die nächste Stadt zu ziehen, um dort die Belange des Dorfes zu klären. Eine Tagesreise ist man zu Fuß über die große Straße dorthin unterwegs, zwei Tage habe ich dort bei einer Bekannten geschlafen (ein Hotel hätte ich mir nie leisten können) und einen Tag reiste ich wieder zurück. Das Problem bei solchen Unternehmungen ist meistens die Versorgung. Wie viel braucht man unterwegs, damit man nicht aus den Latschen kippt? Und wie viel kann man überhaupt tragen? Da ich öfter solche Strecken gegangen war, stellte das für mich zwar kein zentrales Problem dar, trotzdem musste ich bald einsehen, dass ich mich ›verkalkuliert‹ hatte und das Wasser auf dem Rückweg schon auf der Hälfte der Strecke knapp wurde.
    Es gibt Länder, in denen so viele Flüsse und Seen liegen, dass man die Landschaft kaum anschauen kann, ohne einen von ihnen zu sehen. Bei uns hingegen sieht man nur die Felder, damals wie heute. Einige Hügelkuppen entfernt konnte ich sogar schon die alten Häuser des Dorfes erkennen, aber wie es eben so ist, ging ich und ging ich und hatte nicht das Gefühl, auch nur einen Schritt voranzukommen. Ja, damals habe ich mir sehr eins dieser Fahrzeuge gewünscht, mit denen die Städter eigentlich überall hinreisen. Die sind auch richtig sehenswert, wenn ich das zugeben darf. Vor allem aber praktisch und darum ging es mir in dem Moment.
    Und schon begann ich wieder zu träumen. Ich erinnere mich noch genau daran, denn damals habe ich oft geträumt. Eigentlich hab ich so gut wie nichts anderes gemacht, denn wie gesagt, viel anderes konnte ich nicht. Wenn man den ganzen Tag über unterwegs ist oder sich auf dem Feld die Hände wund schuftet, dann bleibt einem als zusätzlicher Zeitvertreib ja auch eigentlich nichts anderes übrig.
    Hört zu, ich sage nicht, dass ich damals gern in die Stadt gezogen werde. Himmel, das kam mir nicht einmal im Traum in den Sinn. Alle anderen träumten damals von einem Leben in den höheren Gesellschaftsschichten, von Luxus, Prunk und Macht. Mich ließ das kalt und alle wussten, dass meine Abneigung gegen Politik und Obrigkeit von nichts übertroffen werden konnten. Trotzdem gab es viele Momente, in denen ich mir doch vorstellte, wie es wohl wäre, reich zu sein und tun und lassen zu können, was man wollte.
    Was würde ich tun und lassen, wenn ich reich wäre? Ich hatte auf diese Antwort nie eine Frage gefunden, denke ich. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt in der Geschichte nicht.
    Ich ging also über die Straße, die in der Hitze flimmerte und aus der Ferne verzerrte und verschwommene Bilder machte, ohne auch nur die Aussicht auf Schatten, der mich vor der brennenden Sonne schützen könnte, oder einen auch noch so kleinen Windhauch, der den Schweiß auf meiner Haut verdunsten ließe.
    Ein Städter würde dieses Bild übrigens sehr eigenartig finden. Nicht nur, dass sie ja wie gesagt ihre Kryjas haben, mit denen sie durch die Gegend fahren, nein, sie besitzen für warme oder kalte Tage auch klimatisierte Kleidung. Eine Jacke dieser Art kostet mehr Câra, als unser ganzes Dorf in sechs Umdrehungen verdient, aber für die dort ist das nichts, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Außerdem geben sich die Städter dem eigenartigen Glauben hin, Menschen mit dunkler Haut könnten nicht schwitzen. Wozu ist dann eure Haut sonst so schwarz?, hat mich mal eine ältere Dame aus dem Norden gefragt. Ihr könnt euch also vorstellen, was das für ein eigenartiges Volk ist.
    Ich war an der Gabelung der Ost- und Südstraße angelangt, als ich darüber nachdachte, stehen zu bleiben und eine kleine Pause zu machen. Aber einen Blick auf die Felder werfend, wurde mir schon im nächsten Moment wieder mulmig zumute und ich beschloss, dass es wohl das Beste für vor allem meine Seele wäre, einfach weiterzugehen.
    Wir sind an die Felder gebunden, weil unsere Geburt und unser Leben es uns vorgeschrieben haben. Trotzdem hing ich an den Pflanzen manchmal mehr als an Menschen. Du bereitest den Boden auf, gräbst Löcher mit deinen eigenen Händen und legst die kostbaren Samen hinein. Du teilst dein Wasser mit ihnen, bis sie aufgehen und irgendwann ihre goldenen Blüten tragen. Und wenn sie im Sonnenlicht strahlen, dann strahlst du ab und an mit ihnen, weil du in ihnen erkennst, was du geleistet hast.
    Die Felder reichten auch schon damals bis an den Horizont in allen Richtungen und noch weiter. Sie standen an diesem Tag so dicht aneinander gedrängt, dass ihre Blüten ein Meer aus flüssigem Gold ergaben. Und trotz des schönen Anblicks, machte mich das Wissen darum traurig, sie in diesem Jahr vermutlich verdorren sehen zu müssen. Die Blüten halten sich wahrlich lange und in der Tat können die Städter schöne Dinge aus ihnen fertigen (denn alles, was glitzert und glänzt, finden sie ganz ›reizend‹.) Wichtig sind aber vor allem die Wurzeln und die Knolle, die sie mit der Zeit formen. Dieser Kern ist von einem sehr sensiblen Gleichgewicht aus Trockenheit und Bewässerung abhängig. Auch wenn man es also oberflächlich noch nicht sah, wusste ich, dass die Blumen unter der Erde schon verloren waren. All die Arbeit des Jahres umsonst.
    Genau eine elftel Umdrehung vorher hatten wir schweren Herzens die Bewässerungsanlagen ausschalten müssen, denn es gab so wenig Wasser, dass jeder Tropfen für das Überleben der Menschen gebraucht wurde. Die Obersten hatten mich daraufhin in die Stadt geschickt, damit ich von unseren letzten Câra die Freischaltung eines der Wasserrohre veranlassen konnte. Dafür haben alle Familien des Dorfes zusammengelegt und das würde uns über den Rest des Sommers bringen, auch wenn wir dafür – wie schon öfter – die alljährlichen Abgaben aufwenden mussten.
    Als ich mir das Gesicht des Eintreibers vorgestellt habe, musste ich grinsen. Ich wusste, dass er in einigen Tagen vorbei kommen würde, um das zu holen, was vom Land verlangt wurde. Wie in fast jedem Jahr würden wir aber nicht zahlen können und wie in fast jedem Jahr würden er und seine Helferlein die Häuser, Höfe und Wohnungen durchsuchen, nur um dann wiederholt festzustellen, dass es bei uns tatsächlich nichts mehr zu holen gab. Dieses schockierte und wütende Gesicht bei ihm liebte ich schon immer. Ich mochte es, wie schnell sich die lächerlichen Stadtmenschen aus der Fassung bringen ließen, wie sie rot im Gesicht wurden, wenn sie sich aufregten, oder wie sie ihre Stimmen hoben, wenn sie bemerkten, dass man sie nur provozieren wollte.
    Wir können froh sein, dass der Vorsitz unseres Kreises so gnädig ist, betonte meine Mutter damals immer wieder. Sonst hätte er uns schon längst unsere Häuser genommen.
    Klar, total gnädig, dass er uns dabei zusieht, wie wir bei lebendigen Leibe vertrocknen, antwortete ich darauf meistens und niemand sagte mehr etwas. Es fühlten sich alle diesen Fremden unterstellt, weil sie so viel hatten, von dem wir nicht einmal zu träumen wagten. Ich jedoch schien schon mit dem Wissen geboren worden zu sein, dass das nicht alles sein konnte, dass man uns nicht einfach in die Rollen pressen konnte, sie gar nicht zu uns passten.
    Irgendwann, sagte ich dann immer, irgendwann mach ich selbst mal Politik und zeig es denen dort oben. Dann sehen die mal, wie leicht es sein kann.
    Ja, mach das, Ji! und Ja, du kannst die Städtersprache ja schon!, riefen dann alle, obwohl sie sehr wohl wussten, dass es nichts gab, das mir mehr ›zuwider‹ war als dieser affektierte Haufen Vollidioten von Politikern.


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    Re: Der Architekt

    Beitrag von Pooly am Sa Mai 04, 2013 12:26 am


    INHALT
    Frühling, 2102. Die Jahre des Friedens liegen weit in der Vergangenheit und ein großer Krieg bahnt sich an, die Spannungen zwischen den Großmächten verschärfen sich von Tag zu Tag. Die Welt gerät in Aufruhr, Unruhen durchziehen sämtliche Länder, Polizei und Ordnungskräfte haben längst die Kontrolle über die Situation verloren.
    Griffin ist 18 Jahre alt, als ein Unbekannter das Chaos zu seinem Vorteil nutzt, um sie zu entführen. Erst nach sechs Monaten wird sie von Freunden schwer verletzt aufgefunden, behelfsmäßig verarztet und dazu gedrängt, sich den »Vögeln« anschließen. Diese übernatürlich begabten Menschen fliehen in der Hoffnung vor der Regierung, nicht in den Krieg eingezogen zu werden.
    Doch während ihre Begleiter sich tiefer und tiefer in die Probleme denken, die die kleine Gruppe plagen, bemerkt niemand, dass Griffin immer weiter in die Schattenwelt abdriftet, die das Trauma in ihr hinterließ.


    WAS GENAU?
    Und noch einmal genauer. Der Roman beginnt mit dem Moment, in dem Griffin gefunden wird. Die Retter sind Freunde ihrer bereits verstorbenen Adoptivschwester, die jener das Versprechen gaben, Griffin zu finden und zu retten. Doch es bleibt nicht viel Zeit dafür, das Mädchen zu verarzten, denn die kleine Gruppe an Freunden ist selbst auf der Flucht und darf nicht gefunden werden: Sie sind Vögel, Menschen, die durch unerklärliche Ursachen übernatürliche Fähigkeiten besitzen und deswegen von der Regierung eingezogen werden, um im Krieg zu dienen. Die Jugendlichen - nicht gewillt, ihr Leben zu opfern - ziehen sich in ein abgelegenes Landhaus zurück, in das sie Griffin mitnehmen und versuchen, sie zumindest körperlich wieder aufzupäppeln. Während sie sich verstecken, beginnt in anderen Ländern der Krieg und von Tag zu Tag wird es unsicherer, das Landhaus wird von Fremden aufgesucht, die Unterschlupf brauchen, den ihnen aber niemand gewähren möchte, da die Vorräte bereits knapp werden. Nur mithilfe ihrer Fähigkeiten gelingt es den Freunden, durchzuhalten. Im Grunde bekommen sie nicht einmal viel von Tod und Zerstörung mit, denn der Frühling ist eingezogen, die Bäume stehen in voller Blüte und nichts im Garten der Villa erinnert an Krieg und die Düsternis dieser Tage.
    Griffin wird bei sämtlichen Planungen außen vor gelassen, weil sie in den Augen der anderen zu nichts zu gebrauchen ist - ohne dass sie diesen Gedanken böse meinen würden. Niemand fragt, was während ihrer Gefangenschaft geschah und Grif spricht nicht darüber, beschwert sich nicht und versucht so gut wie möglich, den anderen nicht zur Last zu fallen. Aber ihr seelischer Zustand verschlechtert sich immer weiter, sie kann nicht schlafen, sieht den Fremden, der sie entführt und ihr unaussprechliches angetan hat, immer wieder in den Schatten auftauchen, bis sie kaum mehr in der Lage ist, sich aus ihrem Bett aufzurichten.
    Als einer ihrer Begleiter ihr klar macht, dass sie mit all ihren "Macken" nur stört, fasst sie sich ein Herz und verlässt die Gruppe und das Haus. Und macht sich auf ins Unbekannte.

    WAS SIND DIE VÖGEL?
    Etwa 60 Jahre vor Beginn der Geschichte tauchten sie das erste Mal auf: Menschen, die aus absolut unerklärlichem Grund mit vollem Gefieder zur Welt kamen. Von gewöhnlichen Menschen gezeugt, wurden sie über ein ganzes Jahr hinweg überall auf der Welt geboren. "Gequälte Seelen" wurden sie von einigen bezeichnet, denn sie waren vorerst nicht in der Lage, sich zu artikulieren, brachten nur bizarre Vogelschreie über ihre Lippen. "Vogelmenschen" oder schlichtweg "Vögel" wurden sie jedoch von den meisten genannt - aus naheliegenden Gründen. Niemand konnte sich die biologische Möglichkeit dieses bizarren Ereignisses erklären; das ist bis heute niemandem gelungen. Doch nachdem innerhalb eines Jahres über zwei Millionen dieser Vogelmenschen weltweit geboren worden waren, wurde es still. Nie wieder sollte ein solcher Vogelmensch geboren werden.
    Die bereits existierenden ihrer Art wurden Opfer vieler Versuchsreihen, Experimente und Forschungen, welche jedoch zu keinem sinnvollen Ergebnis gelangten. Ebenso, wie sie alle innerhalb eines Jahres geboren worden waren, verloren alle Vogelmenschen mit dem Erreichen ihres zehnten Lebensjahres ihr Gefieder und wurden zu 'normalen' Menschen, die danach Zeit ihres Lebens keinerlei Anomalie mehr aufwiesen, weder psychisch noch physisch. Und so wurde es weitgehend still und sie mischten sich wie vollkommen gewöhnliche Menschen unter ihresgleichen.
    Aufsehen erregten erst wieder ihre Nachkommen. Diese wurden zwar nicht mit Gefieder geboren, dafür aber allesamt mit rabenschwarzem Haar und ebenso schwarzen Augen. Sie alle tragen von Geburt an Male verschiedenster Ausprägung am Körper, in entweder einem dunklen Rot oder schillerndem Gold. Diese wie Tattoos anmutenden Zeichen sind teilweise Muster und Formen, teilweise muten sie aber auch wie Schriftzeichen einer unbekannten Sprache an, die den Wissenschaftlern neue Rätsel aufgaben. Auch wenn die Kinder bis auf diese Merkmale normal zu sein schienen, wurde es nach den ersten Geburten den Vögeln in vielen Ländern verboten, Nachkommen zu zeugen. Aufgrund zahlreicher Proteste - und auch aufgrund der Tatsache, dass die Kinder bis auf ihre "Male" normal zu sein schienen - wurden diese Verbote aber weitgehend aufgehoben.

    Mit dem Erreichen des 15. Lebensjahres zeigten sich jedoch bei den Nachkommen der Vögel Anomalien, die nicht nur ihr Äußeres betrafen: Viele von ihnen entwickelten übersinnliche Fähigkeiten, die von einer scheinbar unmenschlichen Intelligenz bis hin zur Gedankenkontrolle von Gegenständen und Vorgängen, Teleportation und im Grunde allen Fähigkeiten reichten, die sich ein Mensch vorstellen kann. Die Vögel können ihre Gestalt ändern (nur nicht die Male auf ihrem Körper), sie können innerhalb von Sekunden von einem Ort zum anderen reisen, sie können Häuser bauen und das Wetter beeinflussen.
    Die Entdeckung dieser Fähigkeiten spaltete die Gesellschaft in jene, die auf der Seite der friedlichen Vögel standen, und jene, die ihre Gefangennahme verlangten, aus Angst vor ihrer Macht. Der Umgang mit diesen Menschen führte nicht zuletzt dazu, dass die Länderregierungen aneinander gerieten. Während die einen verhemmt die militärische Bekämpfung dieser "neuen Bedrohung" forderten, richteten andere Länder hochtechnisierte Schutzeinrichtungen ein, um den Vögeln einen Zufluchtsort zu gewährleisten. In diesen Schutzeinrichtungen leben auch heute noch viele der Vögel. Dort können sie einander helfen, einander beschützen. Da die meisten von ihren ihr Aussehen zu ändern in der Lage sind, gelingt es ihnen - wenn sie die Zeichen auf ihrem Körper bedecken - sich auch weitgehend in das normale Leben einzugliedern und sind in einigen Ländern gern gesehen oder zumindest toleriert.

    Während des herannahenden Krieges sind es vor allem die freundlich gesinnten Länderregierungen, die um die Hilfe der Vögel bei der Bekämpfung der Feinde bitten. Da alle bekannten Angehörigen der Vogelart jedoch sehr friedliebend sind, ziehen sie sich daraufhin in geheime Verstecke zurück, um weiter in Frieden leben zu können. Mehr oder minder.



    DIE PROTAGONISTIN
    Griffin, die Protagonistin des Romans, ist kein Vogel und verfügt über keine besonderen Fähigkeiten. Da ihre Eltern verstarben als sie 5 Jahre alt war, wurde sie aber von einer Pflegefamilie großgezogen, die einige Vögel beherbergt. Ihr Großvater gehört zu den Urvögeln, ihre Ziehmutter ist ebenfalls ein Vogel und auch ihre zwei Jahre ältere Pflege-Schwester. Da in Island - ihrem Heimatland - Vögel als normale Bürger angesehen werden, lebte die kleine Familie in einem gewöhnlichen Haus in einer gewöhnlichen Stadt. Von ihrer Pflege-Familie wurde Griffin stets behandelt wie ein eigenes Kind und zu niemandem fühlte sie sich je mehr verbunden als zu ihrer großen Schwester.
    Ihre Pflegeeltern starben genau ein Jahr vor Beginn der Geschichte bei Krawallen in Amerika, wo sie einen Urlaub gemacht hatten. Griffin floh danach mit ihrer Schwester nach Deutschland, wo letztere einige Freunde hatte, bei denen sie unterkommen konnten. Sechs Monate später wird Griffin entführt.
    Das Mädchen hat viele Eigenarten, die sie aber in den Augen ihrer Umgebung immer liebenswert gemacht haben. So hegt sie beispielsweise schon von klein auf eine große Faszination für große Maschinen aller Art und begann deswegen eine erweiterte Schulausbildung zur Mechanikerin - einem inzwischen sehr seltenen und hoch angesehenen Beruf. Sie selbst sieht sich als "Erfinderin" und arbeitete deswegen neben der Schule und der Ausbildung oft an kleinen, geheimen Projekten, bei denen sie Gedankenspiele verwirklichte. So hat sie eine kleine, mechanische Katze in einem Gurkenglas-großen Behälter, die sie immer mit sich herumträgt. Öffnet die den Behälter und fällt Licht auf das Metall, erwacht das Kätzchen "zum Leben" und kann ihr ein Spielgefährte sein. Man trifft Griffin selten ohne einen Schraubenzieher in der Tasche an und kann sich bei so gut wie jedem Gespräch mit ihr sicher sein, dass sie Witze reißt, die vielleicht nicht jeder unbedingt lustig findet.

    Nach dem 'Vorfall' lacht und scherzt sie nur noch selten, trotzdem ist sie niemand, der sich in seinem eigenen Leid vergräbt, auch wenn sie sich nach und nach eingestehen muss, dass es ihr doch schlechter geht, als sie selbst einsehen möchte. Sie ist niemand, der sich beschwert, wenn etwas nicht stimmt, sondern eher jemand, der versucht, mit den Umständen so gut wie möglich klarzukommen. Gleichzeitig ist sie niemand, der denkt, sich für seine Art und Weise zu leben, rechtfertigen zu müssen. Sie hat lange, dunkelbraune Haare, hellblaue Augen, ist normal groß und durch ihre Arbeit ziemlich fit. Sie lebt vegan, ist homosexuell orientiert, liebt Gras, Wiesen, warmen Sommerregen und fürchtet sich vor Hunden (und nach dem "Vorfall" auch vor der Dunkelheit). Ihre Lieblingsfarbe ist grün.




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      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Mi Dez 19, 2018 6:09 am